Die Region Basel weist aufgrund ihrer tektonischen Situation ein erhöhtes Erdbebenrisiko auf, was insbesondere für kritische Infrastrukturen wie die Abwasserentsorgung von hoher Relevanz ist. Vor diesem Hintergrund wurde die AUG vom Amt für Industrielle Betriebe Basel-Landschaft beauftragt, potenzielle erdbebenbedingte Gefährdungen der Abwasserinfrastruktur im Pilotgebiet der ARA Birs systematisch zu analysieren und räumlich darzustellen (Abbildung).
Ziel der Studie ist es, eine fachlich fundierte Entscheidungsgrundlage für Vorsorge, Priorisierung von Massnahmen und weiterführende Detailuntersuchungen zu schaffen. Im Zentrum der Untersuchung stehen sowohl direkte Erdbebeneffekte wie Bodenbewegungen und Schwingungsverstärkungen als auch indirekte, sogenannte sekundäre Effekte, darunter Hangrutschungen, Bodensetzungen oder Wechselwirkungen mit hydrogeologischen Verhältnissen. Die Studie ist modular aufgebaut und kombiniert bestehende kantonale Datengrundlagen mit aktuellen geologischen Modellen der AUG. Durch diese strukturierte Vorgehensweise können sämtliche für die Abwasserinfrastruktur relevanten Gefährdungstypen berücksichtigt werden.
Ein besonderer Fokus liegt auf der räumlichen Verknüpfung der identifizierten Gefährdungen mit bestehenden Leitungen, Bauwerken und Anlagen. Analysiert werden unter anderem aktive und potenziell aktive Verwerfungen (Abbildung), Übergänge zwischen festen und weichen Untergrundverhältnissen, bekannte Gefahrenzonen für Massenbewegungen sowie Bereiche mit potenziellem Risiko für Bodensetzungen oder Bodenverflüssigung. Ergänzend wurden Ergebnisse aus der Erdbebenmikrozonierung und Baugrundklassenkarten herangezogen, um die zu erwartende Intensität von Bodenerschütterungen regional differenziert bewerten zu können.
Als zentrales Ergebnis wird eine zusammenfassende Gefährdungskarte für das Pilotgebiet erstellt, die eine rasche Übersicht über potenziell betroffene Infrastrukturelemente ermöglicht. Diese Karte dient nicht als Ersatz für objektspezifische Nachweise, sondern als strategisches Instrument, um kritische Abschnitte frühzeitig zu identifizieren und gezielt vertiefte Abklärungen oder bauliche Massnahmen einzuleiten. Damit leistet die Studie einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Gewässern und Grundwasser sowie zur Sicherstellung der Betriebsfähigkeit der Abwasserinfrastruktur im Ereignisfall.
Darüber hinaus sollen die Untersuchungen aufzeigen, dass das entwickelte methodische Vorgehen grundsätzlich auf weitere Teile des Kantons sowie auf gemeindeeigene Infrastrukturen übertragbar ist. Die Ergebnisse bilden somit eine belastbare Grundlage für eine schrittweise kantonsweite Umsetzung der Erdbebenvorsorge im Bereich der Abwasserentsorgung und unterstützen den Kanton Basel-Landschaft bei einer vorausschauenden, risikobasierten Infrastrukturplanung.
Auftraggeber: AIB BL
Projektlaufzeit: 2025 – 2026
Brian Steiner, Horst Dresmann & Jannis Epting

Abbildung: Abwasserinfrastruktur im Zusammenhang mit potenziellen Untergrundbewegungen entlang von Verwerfungen, abgeleitet aus der geologischen 3D-Modellierung. Die Verwerfungen werden unterschieden in primäre Störungen (Länge > 5 km, mit Potenzial für eigenständige Erdbeben) und sekundäre Störungen (Länge < 5 km, in enger struktureller und genetischer Beziehung zu den primären Störungen).
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