Forschungsgruppe Geoökologie

Unsere Forschungsgruppe beschäftigt sich mit Umwelteinflüssen auf biotische Systeme in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wir untersuchen die Ökologie und Biogeographie von spezialisierten Organismengruppen (zum Beispiel Makroinvertebraten in Quellgewässern), die langfristige Entwicklung von Ökosystemen oder sich ändernde Artenareale in Vergangenheit und Gegenwart. Umwelt- und Klimarekonstruktion anhand von mikroskopischen und geochemischen Analysen von Mikrofossilien in Umweltarchiven bildet ein weiteres Schwerpunktthema der Gruppe.

Unsere Forschung ist stark interdisziplinär ausgerichtet, mit engen Verbindungen zu Ökologie und Paläoökologie, Biogeographie, Biogeowissenschaften, Klimaforschung und Quartärgeologie. Die Forschungsgruppe Geoökologie bietet Lehrveranstaltungen sowohl im Studiengang Geowissenschaften wie auch im Studiengang Integrative Biologie an.

Umwelt- und Ökosystemrekonstruktion

Schnee

Umwelt- und Ökosystemrekonstruktion

Forschende der Geoökologie untersuchen unter anderem paläoökologische Indikatoren in Umweltarchiven (z.B. Seeablagerungen) um vergangene Veränderungen in Ökosystemzuständen und Umweltbedingungen zu rekonstruieren. Vergangene und laufende Projekte beschäftig(t)en sich zum Beispiel mit der langfristigen Veränderung von Ökosystemen, Veränderungen im Kohlenstoff- und Nährstoffhaushalt von Seen, mit dem Einfluss von frühen und postindustriellen menschlichen Aktivitäten auf Seen und Landschaften, und mit der Rekonstruktion vergangener abiotischer Umweltveränderungen (z.B. Klimaschwankungen) anhand von biotischen Indikatoren in Seesedimenten. Untersuchungen an modernen Ökosystemen zur Kalibration von paläoökologischen Indikatoren spielt eine wichtige Rolle in unserer Forschung.

Kürzlich erschienene Publikationen zum Thema

Samartin, S., O. Heiri, F. Joos, H. Renssen, J. Franke, S. Brönnimann & W. Tinner, 2017. Warm Mediterranean mid-Holocene summers inferred from fossil midge assemblages. Nature Geoscience 10:207-212.

Schilder, J., M. van Hardenbroek, P. Bodelier, E. P. Kirilova, M. Leuenberger, A. F. Lotter & O. Heiri, 2017. Trophic state changes can affect the importance of methane-derived carbon in aquatic food webs. Proceedings of the Royal Society B 284:20170278.

Jimenez, L., J. M. Conde-Porcuna, A. Garcia-Alix, J. L. Toney, R. S. Anderson, O. Heiri & C. Perez-Martinez, 2018. Ecosystem Responses to Climate-Related Changes in a Mediterranean Alpine Environment Over the Last 180 Years. Ecosystems doi.org/10.1007/s10021-018-0286-5:1-15.

Quellen- und Fliessgewässerökologie

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Quellen- und Fliessgewässerökologie

In der „Quellen- und Fliessgewässerökologie“ sind wir insbesondere an einem vertieften Verständnis für die Funktion von Quellen als Lebensraum interessiert. Quellen sind Übergangshabitate an der Schnittstelle zwischen Oberflächenwasser und Grundwasser, sogenannte Ökotone. Aufgrund ihrer speziellen abiotischen Bedingungen werden sie als einzigartige Lebensräume angesehen. Vor allem wegen der Nutzung von Quellwasser als Trinkwasserressource ist die Zahl natürlicher Quellen im letzten Jahrhundert stark gesunken, weshalb Quellen als gefährdete Lebensräume angesehen werden müssen. Hinzu kommt, dass die Ökologie alpiner Quellen bisher unzureichend erforscht wurde und gerade diese Quellen vom Globalen Klimawandel beeinflusst werden. Weitere anthropogene Belastungsfaktoren für Quellen und kleine Fliessgewässer sind die Verunreinigung mit Pestiziden und strukturelle Veränderungen der Gewässer. Insbesondere die Auswirkungen von Pestiziden auf Quellorgansimen ist bisher nur unzureichend untersucht worden.